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Heraus auf die Straße zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen!

Gemeinsamer Aufruf des NichtaufunseremRücken-Bündnis

Gemeinsamer Aufruf des NichtaufunseremRücken-Bündnis

Am 25.November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und auch dieses Jahr gehen weltweit Frauen auf die Straße, um gegen diese Gewalt zu protestieren.

Denn jede dritte Frau ist von sexualisierter und/oder körperlicher Gewalt betroffen. Jeden Tag versucht ein Mann1 eine Frau zu ermorden und mehr als jeden dritten Tag gelingt es einem. In diesem Jahr kam es bereits zu mindestens 126 Femiziden – Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. Das eigene Heim ist der am wenigsten sichere Ort für eine Frau, da die Täter überwiegend im persönlichen Umfeld und/oder der eigenen Familie zu finden sind.

Gewalt gegen Frauen macht den Zusammenhang patriarchaler und kapitalistischer Gewalt deutlich. Sie ist zum einen ein systematisches Mittel, um männliche Dominanz und das Patriarchat aufrecht zu erhalten und sie ist zum anderen Ausdruck ökonomischen Zwangs – weil viele Frauen finanziell auf ihre gewalttätigen Männer angewiesen sind und sie auch deshalb nicht verlassen.

Durch Freiheitsbeschränkungen wie Lockdown und Ausgangssperren konnten von Gewalt betroffene Frauen notwendige Fluchtmöglichkeiten nicht wahrnehmen.

Dazu kommt, dass die wirtschaftliche Lage zu weiteren Anspannungen führt, diese werden zusätzlich oft an den Frauen ausgelassen.

Aber nicht nur diese Aspekte der Krise treffen Frauen besonders hart, sondern auch die finanziellen Auswirkungen.

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, weswegen viele sich keine eigene Wohnung leisten können. Das führt dazu, dass für viele Frauen ein Ausstieg aus gewalttätigen Beziehungen besonders schwer ist. Frauen sind oft als Minijobberinnen beschäftigt, genau diese Jobs wurden während der Pandemie gestrichen.

Aber nicht nur das, mit der aktuellen Krise ist die Inflation extrem gestiegen und es gibt Teuerungen in allen Bereichen des Lebens: all das verschärft die Problemlage weiter.

Und auch Angriffe gegenüber lesbischen, bisexuellen, trans und inter Frauen haben zugenommen, besonders trans2 Frauen sind stark betroffen. Die prekäre Situation vieler trans Frauen3 wurde uns besonders durch die Selbstanzündung von Ella vor wenigen Wochen am Berliner Alexanderplatz schmerzhaft vor Augen geführt.

In solch einer Krisensituation hält die bürgerliche Politik sich nicht einmal an die selbst gesetzten Ziele der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen vor Gewalt: derzeit fehlen ca. 14.600 Plätze in Frauenhäusern (Stand April 2020) und die Arbeitsbedingungen in Beratungsstellen sind prekär.

Von Politiker:innen gibt es nur Lippenbekenntnisse, während in der Realität kaum ein Cent für den Kampf gegen Gewalt an Frauen ausgegeben wird. Jeden Tag sterben Frauen, aber das Bundesweite Frauenhilfetelefon war während der Pandemie gezwungen zu streiken, weil ihre Arbeitsbedingungen miserabel sind. Die Gewalt zieht sich durch sämtliche Institutionen dieser Gesellschaft und bleibt nicht nur im häuslichen Rahmen.

Die Befreiung der Frau von patriarchaler Gewalt kann es nicht im Kapitalismus geben, denn die Unterdrückung und Ausbeutung der Frau ist ein fundamentaler Teil des Kapitalismus. Nur durch unseren gemeinsamen Widerstand können wir dem ein Ende setzen.

Schließt euch deswegen den unterschiedlichen, bundesweit stattfindenden Aktionen an und kämpft mit uns gegen Kapitalismus und Patriarchat!

Ihre Krise? Nicht auf unserem Rücken!

1Wenn wir über Männer im Kontext von patriarchaler Gewalt schreiben, meinen wir bloß cis Männer, da trans Männer selbst Opfer patriarchaler Gewalt werden können und sich historisch immer mit feministischen Kämpfen solidarisiert haben. Im Patriarchat sind alle Geschlechter außer dem cis Mann unterdrückt.

2Trans bezeichnet Menschen, die sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, dass ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde.

Cis beschreibt Menschen, die sich mit dem bei der Geburt zugeordnetem Geschlecht identifizieren

3Wenn wir Frauen schreiben meinen wir alle Frauen. Trans Frauen sind Frauen und sind immer mitgemeint. Da trans Frauen jedoch im Gegensatz zu cis Frauen Transfeindlichkeit ausgesetzt sind, war es uns wichtig in diesem Text auch explizit auf Gewalt an trans Frauen einzugehen.